Schulhofneugestaltung

Vorgeschichte

 

Im Rahmen des stadtweiten Projekts „mitWirkung“ wurde im Bezirk VI vor 4 Jahren das Beteiligungsprojekt „Jugendforum Zollverein“ entwickelt. Die Trägerschaft hat das Jugendwerk der AWO, unterstützt wird sie durch das Jugendamt und die Bezirksvertretung VI/Zollverein.

Ziel ist es, die Anliegen und Ideen von jungen Menschen ernst zu nehmen und sie projektorientiert an demokratische Prozesse heranzuführen. In der Auseinandersetzung mit Verwaltung, Politik, Sponsoren und weiteren Beteiligten, erfahren die Jugendlichen, dass Engagement sich lohnt, aber auch wo Schwierigkeiten und Grenzen für ihr Vorhaben liegen. Politikverdrossenheit und das Abdriften in politischen und religiösen Extremismus soll verhindert werden.

 In regelmäßigen Abständen werden Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren aus dem Bezirk zu einem „Offenen Jugendforum“ eingeladen und mit Open-Space-Methoden die Themen der Jugendlichen gesucht und strukturiert. Es bilden sich Gruppen zu unterschiedlichen Anliegen, die kurz- oder langfristig, je nach Thema, bearbeitet werden.

Unterstützt werden die Jugendlichen hierbei durch sogenannte D-Scouts (Demokratiescouts), das sind ältere, ehrenamtliche Jugendliche, die vorher hierfür in Wochenendseminaren geschult wurden. Zur Projektkoordination steht dem Jugendwerk der AWO zurzeit eine halbe Stelle zur Verfügung.

 

Ausgangslage

 

Eine Gruppe von Schülern der Nelli-Neumann-Schule, Abzweig Ramers Kamp, nahm im November 2017 am „Offenen Jugendforum“ teil und hatte die Idee, den Schulhof umzugestalten.

Die Nelli-Neumann-Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung, Sekundarstufe I. Der Standort Ramers Kamp wird von Schülern der Klassen 7 bis 10 aus dem Essener Norden besucht. Im Schuljahr 18/19 werden noch die Klassen 5 und 6 dazu kommen. Dann werden hier ca. 80 Schüler unterrichtet.

Die Schülerinnen und Schüler mit dem Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung haben häufig Schwierigkeiten mit der Konzentration, haben einen hohen Bewegungsdrang, motorische Defizite und überdurchschnittlich oft ein hohes Aggressionspotential. Häufig ist es deshalb nicht möglich, Schüler über einen längeren Zeitraum in der Klasse zu unterrichten. Bewegungsangebote und sportliche Aktivitäten drinnen und draußen haben einen hohen Stellenwert, um die Rahmenbedingungen für eine gute Förderung und die Basis für das Unterrichten zu schaffen. Ein gut gestalteter Schulhof hat hierfür besondere Relevanz.

 

Aktuell besteht der Schulhof aus einer großen Asphaltfläche mit 2 Tischtennisplatten. Es gibt eine kleine Sporthalle.

Eine Besonderheit der Schule ist, dass es seit Jahren eine Flagfootballmannschaft gibt. Die Jugendlichen trainieren regelmäßig, nehmen an Turnieren mit anderen Schulen teil, waren kürzlich sogar bei der NRW Meisterschaft. Die Schüler identifizieren sich sehr mit dem Sport und er ermöglicht Kontakte zu anderen Schulformen, deren Verhaltensnormen sich die Schüler aufgrund ihrer hohen Motivation gerne anpassen. Die Sporthalle ist eigentlich für das Training zu klein und heizt sich bei gutem Wetter extrem auf.  Turniere können hier gar nicht stattfinden.

 

 

 

Aktivitäten der Schüler

 

Das Interesse der Schüler, die beim offenen Jugendforum dabei waren, bestand zunächst in erster Linie darin, eine Trainingsmöglichkeit für ihre Flagfootballmannschaft zu schaffen. Sie begannen damit, den Grundriss des Schulhofs auf dem Papier mit viel Phantasie zu gestalten. In der Auseinandersetzung mit dem Thema war ihnen aber schnell klar, dass die Interessen  aller Schüler Berücksichtigung finden müssten.

Die Gruppe organisierte deshalb zwei Schülerbefragungen. Im ersten Durchgang hatten alle Schüler die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen. Im zweiten Wahlgang wurden die Vorschläge priorisiert und die beliebtesten Ideen identifiziert.

Bei der Schülerwahl kristallisierten sich als wichtigste Themen heraus:

 

- Sportfläche im Freien, die für Flagfootball-, Fußball- und Basketballspielen geeignet ist

- offenes Klassenzimmer

- Kletterbereich

- Spielwege zwischen Büschen und Bäumen

- WLAN auf dem gesamten Schulgelände

 

Das Thema WLAN wurde in Absprache mit Schulleitung und Schülern zunächst ausgeklammert, da es nicht direkt mit der Umgestaltung zu tun hat und an die regionale Schulordnung gebunden ist. Für die Schüler bleibt es aber ein wichtiges Thema.

 

In dem gesamten Prozess wurden die Schüler intensiv von ihrem D-Scout und der Schulsozialarbeiterin begleitet.

 

Im nächsten Schritt sollte es darum gehen, die Planungen realistisch zu gestalten und möglichst einen Konsens mit allen weiteren Beteiligten herzustellen.

Es wurde ein Workshop unter Leitung einer Landschaftsarchitektin organisiert, bei dem neben den Schülern auch Vertreter der Schulleitung, der Schulentwicklungsplanung, des Jugendamtes und des Jugendwerks der AWO teilnahmen. Die Schüler stellten den Erwachsenen ihr Projekt vor, führten sie über den Schulhof und erläuterten ihre Ideen. Es wurde an diesem Tag ein gemeinsamer Plan erarbeitet. Die Landschaftsarchitektin erstellte eine Kostenschätzung und eine Grobplanung.

 

Als nächstes erfolgte eine Vorstellung der Arbeitsergebnisse im Rathaus Stoppenberg bei Vertretern der BV VI/Zollverein. Hierfür hatten die Jugendlichen mit dem D-Scout eine Power-Point-Präsentation erstellt. Die Bezirksvertreter waren überzeugt, dass es sich um eine sinnvolle und Unterstützens Werte Initiative der Schüler handelt. Sie regten an, einen Antrag an die BV VI zu stellen und um Hilfe zu bitten.

 

Hervorzuheben ist die durchgehend hohe Motivation der Schüler an dem Thema zu arbeiten.

Sie zeigten Verantwortungsbereitschaft und Zuverlässigkeit. Persönlich haben sie schon jetzt profitiert, indem sie sich sachlich-fachlich mit dem Thema beschäftigten, Beteiligungsmethoden kennenlernten, Moderation/Präsentation übten und Schritte in unbekannte Erwachsenenwelten machten.

 

 

 

Ergebnisse des Workshops/Konzept zur Gestaltung des Schulhofs

(Auszug aus dem Gestaltungskonzept des Landschaftsarchitekturbüro Hoff)

 

Multifunktions-Kleinspielfeld

Geplant ist ein Multifunktionssportfeld (Maße: 30x15 m) für Trainings-, Schul- und Pausenaktivitäten für alle Tor-Ballspiele mit einem Multifunktions-Sportboden nach EN 14877: 2013/12 oder einem Kunstrasenbelag, der auch als Trainingsfeld der „School Miners“ genutzt wird. Sitzreihen aus Natursteinbrocken am Spielfeldrand sollen zum Zuschauen und Verweilen einladen. 

Bewegungsangebot

Jugendklettern und Balancieren als eine weitere Art der Bewegung und Körperkontrollübung wird mit dem Niedrigseilgarten als Parcours angeboten. Der umgebende Fallschutzbereich wird mit einer Holzhächselfläche versehen. Eine festinstallierte Basketballkorbanlage mit Spielfeldmarkierung soll die sportliche Attraktivität des Schulgeländes erhöhen. Die beiden vorhandenen Tischtennisplatten werden versetzt und neu gruppiert. In der Mitte des Schulhofes bleibt eine freie Fläche für weitere Bewegungsmöglichkeiten und als Aufenthaltsraum und Treffpunkt erhalten. 

Offenes Klassenzimmer

Eine der vorhandenen Sitzelemente wird in die Planung eines offenen Klassenzimmers miteingebunden. An dieses Sitzelement werden an jeder Seite jeweils eine Zeile wiederum aus Natursteinquadern angeschlossen, die den Raum bilden und weitere Sitzmöglichkeiten im Freien schaffen. Ein Baum als Schattenspender für den Sitzbereich soll neu gepflanzt werden. 

Spielwege

Im Süden des Schulhofes schlängelt sich ein schmaler Spielweg durch vorhandenes Gebüsch. So werden neue Spielräume geschaffen, die Versteck- und Laufspiele für die Jüngeren ermöglichen. Dabei handelt es sich um einen Rindenmulchweg der in Eigenleistung erstellt werden kann, genauso wie mögliche Rodungs- und Auslichtungsarbeiten im vorhandenen Vegetationsbereich. Westlich des Schulhofes entsteht ein ähnlicher Weg entlang des Gebäudes, der hier aber mit Tragschicht gebaut wird. 

 

Erstellt: Essen, 4. Juni 2018  Sabine Grewe Landschaftsarchitekturbüro Hoff

 

Ausblick

 

Am 20.7.2018 wurden die Ideen Vertretern von Stadtamt 68/Städtebauförderung vorgestellt, um auszuloten, ob Chancen bestehen, die Schulhofumgestaltung aus Mitteln der „Sozialen Stadt“ zu realisieren. Ergebnis des Treffens ist, dass ein Antrag bis November gestellt werden kann, hierfür aber eine Planung und belastbare Kostenberechnung nach Din 276 vorliegen muss.

Die BV VI hat Grün und Gruga inzwischen beauftragt, diese Planung zu erstellen.

 

Währenddessen lassen sich die Schüler nicht entmutigen. Beim Schulfest am 7.9.2017 ist die Umgestaltung unter dem Motto „Wir wollen mehr als nur Asphalt“ das Hauptthema. Die Schüler stellen ihre Ideen vor und die Einnahmen des Schulfestes sollen in die Umgestaltung fließen. Auch planen sie, einen Imagefilm zu drehen.

 

Die Kunstlehrer haben mit Aktionen zur Verschönerung des Schulhofes gestartet. Kunstobjekte werden mit den Schülern gestaltet.

Allen Beteiligten und auch den Schülern ist klar, dass sie sich auf einen weiten Weg gemacht haben und ein Ziel erreichen möchten, dass ohne Hilfe von Fachämtern, Sponsoren, Fachpersonal usw. nicht zu erreichen ist.

Trotzdem sind sie guter Dinge, denn wenn die Planung einmal steht, gibt es die Möglichkeit der kleinen Schritte. Vielleicht kann man verschiedene Teile der Schulhofumgestaltung nacheinander realisieren.

 

Im November 2018 haben die Schüler gemeinsam mit dem D-Scout Florian einen Antrag bei Radio Essen Lichtblicke gestellt. Da es noch sehr lange dauern wird bis etwas umgesetzt werden kann und möglicherweise einige Schüler dann nicht mehr an der Schule sind. Wollten die Schüler einige Projekte aus der Planung Schulhofgestaltung schonmal nach vorne bringen. Sie haben 5.000€ für einen Basektballkorb und ein offenes Klassenzimmer beantragt.

 

Anfang Dezember 2018 kam die frohe vorweihnachtliche Botschaft, Lichtblicke fördert unser Projekt mit 5.000€. Kurz vor den Weihnachtsferien kam Radio Essen bei uns auf den Schulhof und hat Tonaufnahmen gemacht. Unsere Schüler waren sehr stolz auf ihre Arbeit.

 

In den Weihnachtsferien haben wir durch die Presse erfahren, dass Herr Zühlke Bezirksbürgermeister für Essen (Stoppenberg, Katernberg und Schonneberg) sich für unsere Schule stark gemacht hat und wir über „Gute Schule 2020“ über 200.000€ für die Umgestaltung unseres Schulhofes genehmigt bekommen haben.

 

Wir möchten uns bei allen Beteiligten ganz herzliche bedanken.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Nelli Neumann Schule